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Wer seinen unverschuldet beschädigten Pkw reparieren lassen muss, darf sich für den anberaumten Zeitraum einen Ersatzwagen anmieten, den die gegnerische Versicherung zu zahlen hat. Dabei muss er die Pflicht zur Schadensminderung einhalten, darf bei der Wahl des Mietwagens wirtschaftlich also nicht übertreiben. Ob er aber auch verpflichtet ist, den Mietwagen nach einem verspätetet eingegangenen Angebot des Versicherers zu wechseln, musste das Landgericht Stuttgart (LG) beantworten.
Nach einem unverschuldeten Unfall wurde für den Wagen des geschädigten Autofahrers im Gutachten eine Reparaturzeit von einer Woche veranschlagt. Der Geschädigte mietete daraufhin zunächst einen Wagen für die angegebene Zeit von einer Woche an. Der unbefristete Mietvertrag führte den Satz „die tatsächlichen Kosten sind abhängig von der Mietdauer“ auf. Nach Abschluss des Vertrags, der dem Normaltarif der Schwacke-Liste entsprach, leitete die Versicherung ein günstigeres Angebot einer anderen Autovermietung an den Geschädigten weiter. Dieser wechselte den Anbieter jedoch nicht. Als sich die Reparaturdauer schlussendlich auf vier Wochen belief, weigerte sich die Versicherung, die vollen Mietwagenkosten zu übernehmen. Schließlich habe ja ein günstigeres Angebot vorgelegen. Sie kürzte die Summe um ca. 183 € und berief sich auf die Schadensminderungspflicht des Geschädigten, der gegen dieses Vorgehen anklagte.
Das LG gab dem Kläger in der Tat recht. Zum Zeitpunkt des Angebots sei gar nicht bekannt gewesen, dass die Reparaturzeit sich um das Dreifache verlängern werde. Bei der zunächst veranschlagten Reparaturzeit von einer Woche war der Preisunterschied gering – im Gegensatz zum Aufwand, der mit dem unverhältnismäßigen und nicht zumutbaren Wechsel des Mietwagens und des Autovermieters einherging. Es sei auch gar nicht erkennbar, ab wann der Geschädigte von der überlangen Reparaturdauer Kenntnis erlangt habe, aus der sich eine andere Beurteilung möglicherweise hätte ergeben können. Die Versicherung musste also nachzahlen.
Hinweis: Eine nachträglich vom Haftpflichtversicherer an den Geschädigten erteilte Preisvorgabe bindet den Geschädigten nicht, der bereits einen Ersatzmietwagen nutzt und den Vertrag einseitig kündigen müsste. Der Geschädigte muss auch nicht das Mietfahrzeug „umtauschen“, wenn ihm nicht konkret bekannt war, dass ein erheblicher Tarifunterschied mit der Folge besteht, dass eine Fortsetzung der begonnenen Miete zu erheblich höheren Forderungen gegen den Schädiger führen würde.
Quelle: LG Stuttgart, Beschl. v. 07.07.2026 – 5 S 190/25
Im folgenden Fall würde der geschädigte Wallach womöglich betonen, nichts gemacht und lediglich auf der Weide gestanden zu haben – wenn er denn reden könnte. Da er das nicht kann, musste sich das Oberlandesgericht Celle (OLG) an die pferdetypische Kommunikation und Reaktion machen, um im Abschluss über die Haftungsverteilung nach einem Weideunfall zwischen zwei Pferden zu entscheiden.
Auf einer Weide trat eine Stute einen Wallach und verletzte ihn schwer am Vorderbein. Die Halterin der Stute hatte ihre Ansprüche aus der Tierhaftpflichtversicherung an die Halterin des verletzten Pferds übertragen. Die Versicherung bezahlte zunächst die Hälfte des entstandenen Schadens. Weitere Zahlungen lehnte sie jedoch ab, weil auch das verletzte Pferd zu dem Unfall beigetragen habe. Wie das denn, mag man sich fragen – so auch die Halterin des verletzten Wallachs, die einwandte, dass ihr Pferd lediglich auf der Weide gestanden und gegrast habe und weder die Stute angegriffen noch sich sonst erkennbar an dem Geschehen beteiligt habe.
Das OLG sah die Sache anders und bestätigte eine Haftung der Versicherung, kürzte den Anspruch aber auf die Hälfte. Nach Ansicht des Gerichts hatte sich auch „die typische Gefahr des Wallachs“ verwirklicht. Entscheidend war dabei nicht, ob der Wallach unmittelbar vor dem Tritt eine sichtbare Bewegung gemacht hatte. Vielmehr ging das Gericht davon aus, dass der Tritt der Stute Teil einer typischen Auseinandersetzung zwischen Pferden innerhalb einer Herde gewesen war. Bereits die Anwesenheit und das Verhalten eines Wallachs können demnach das natürliche Verhalten einer Stute beeinflussen. Somit war er nicht lediglich ein völlig passiver Gegenstand des Geschehens. Bei Schäden, die ein Tier durch ein anderes Tier erleidet, mussten die Gefahren beider Tiere miteinander verglichen werden. Im konkreten Fall waren beide Pferde hinsichtlich Größe, Gewicht und Gefahrenpotential ähnlich. Außerdem hatten sie bis zu dem Vorfall friedlich auf derselben Weide gestanden. Das Gericht bewertete deshalb die von beiden Pferden ausgehenden Gefahren als gleich stark. Die Versicherung musste daher nur die Hälfte des Schadens tragen. Für mögliche weitere Schäden blieb die Ersatzpflicht entsprechend der hälftigen Haftungsquote bestehen, weil die schwere Verletzung noch Folgekosten verursachen könne.
Hinweis: Auch ein scheinbar ruhiges Pferd kann bei einem Unfall zur Haftung beitragen. Entscheidend ist dabei, ob sich die typische Tiergefahr tatsächlich auf das Geschehen ausgewirkt hatte. Bei einem solchen Unfall können deshalb die Gefahren beider Tiere gegeneinander abgewogen werden.
Quelle: OLG Celle, Urt. v. 02.04.2026 – 2 U 126/25
Wie flexibel müssen Urlauber eigentlich sein, wenn ihr geplanter Urlaub in der gewünschten Form nicht stattfinden kann? Kann ein Ersatz in einem gewöhnlichen Hotel oder in einem Club in einem völlig anderen Land Entschädigungsforderungen ausschließen? In diesem Fall musste das Landgericht Frankfurt am Main (LG) diese Fragen beantworten und über die Rechte von Urlaubern entscheiden, deren gebuchter Cluburlaub kurzfristig ausfiel.
Eine Familie hatte für den Sommer 2025 eine zweiwöchige Pauschalreise in einen Club in der Türkei gebucht und zahlte dafür rund 12.800 €. Etwa einen Monat vor der Abreise teilte ihr der Reiseveranstalter mit, dass die gebuchte Anlage wegen eines Streits mit dem Eigentümer nicht mehr zur Verfügung stünde. Als Ersatz bot er andere Clubs in Ägypten oder Kalabrien sowie ein normales Hotel in der Türkei an. Die Familie wollte keine jedoch dieser Möglichkeiten nutzen und stornierte die Reise. Während des vorgesehenen Urlaubszeitraums verreiste sie stattdessen mit einem anderen Veranstalter. Trotzdem verlangte sie eine Entschädigung für die verlorene Urlaubszeit.
Das LG gab der Familie recht und sprach ihr eine Zahlung in Höhe von 50 % des Reisepreises zu. Nach Auffassung des Gerichts sei keine der alternativ angebotenen Unterkünfte mit der ursprünglichen Reise gleichwertig gewesen. Ein normaler Hotelaufenthalt könne einen Cluburlaub nicht ersetzen, bei dem Sport, Unterhaltung, Animation, Ausflüge und die Betreuung durch Trainer oder Animateure im Mittelpunkt stünden. Auch das Gemeinschaftsgefühl unter den Gästen gehöre zum Charakter eines solchen Urlaubs. Ebenso genüge es nicht, einen anderen Club an einem völlig anderen Urlaubsort anzubieten. Der gewählte Urlaubsort sei ein wesentlicher Bestandteil einer gebuchten Reise. Deshalb war hier die ursprünglich vereinbarte Reise nach Ansicht des LG vereitelt worden – dass die Familie während der vorgesehenen Reisezeit dennoch Urlaub machte, änderte daran nichts. Dieser Urlaub war nicht vom ursprünglichen Veranstalter organisiert worden und konnte deshalb die entgangene Reise nicht ersetzen. Bei der Höhe der Entschädigung berücksichtigte das Gericht unter anderem den besonderen Charakter und den vergleichsweise hohen Wert des gebuchten Cluburlaubs. Außerdem hatte der Veranstalter den Reisenden die Absage erst rund einen Monat vor dem geplanten Reisebeginn mitgeteilt. Deshalb hielt das Gericht eine Entschädigung von der Hälfte des Reisepreises für angemessen. Die Entscheidung war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht rechtskräftig.
Hinweis: Ein anderes Hotel müsse nicht automatisch als gleichwertiger Ersatz für einen gebuchten Cluburlaub akzeptiert werden. Auch ein anderer Club könne wegen des abweichenden Urlaubsorts eine andere Reise darstellen. Eine Ersatzreise auf eigene Kosten beseitige den Anspruch auf Entschädigung nicht automatisch.
Quelle: LG Frankfurt am Main, Urt. v. 17.03.2026 – 2-24 O 123/25